Absurdes Gendermarketing mit rosa-hellblauem Schubladendenken bekommt einen Wink mit dem Goldenen Zaunpfahl. Der Negativpreis wurde am heutigen 22. Mai zum dritten Mal verliehen. Im Folgenden meine Laudatio:

Die Jury hatte es leider auch in diesem Jahr schwer, den Negativsieger für den Goldenen Zaunpfahl 2019 zu küren. Es gab zu viel Auswahl und wie im letzten Jahr war eine Einreichung gruseliger als die nächste.
Jedes Jahr hoffen wir, dass ein Umdenken stattfindet, dass Unternehmen von Produktentwicklung bis Marketing Abteilung sich ihrer Verantwortung bewusster werden und überhaupt verstehen, welchen Schaden sie anrichten, wenn sie nicht nur einseitige Geschlechterclichés bedienen, sondern – so kann es einem vorkommen – einfach immer noch eins drauf legen. 

So werden Kinder immer früher in Schubladen gesteckt, was inzwischen so weit geht, dass nicht nur Produkte für Babies in rosa und hellblau daher kommen, sondern auch schon Nabelschnurklemmen, denn offenbar darf man Jungen nicht mit einer „Mädchenschere“ abnabeln – wenn irgendetwas Genderwahn ist, dann solche Produkte.
So schlimm dieses Beispiel ist, am Goldenen Zaunpfahl ist es aufgrund der überwältigenden Konkurrenz knapp vorbeigeschrammt. 

An der Meinungsbildung der Jury war ich nicht beteiligt, aber ich könnte mir vorstellen, dass die Entscheidung wirklich schwer fiel.
So ist die Kombination aus Gendermarketing mit Sexismus bei einer der Nominierungen  geradezu widerlich. Wer kommt auf die Idee, ein Drohnenset für den Modellbau zu entwickeln, bei dem ein männlicher Drohnenpilot nackte Frauen im Nachbargrundstück ausspioniert? Was kommt als nächstes?
Eine Vergewaltigungsszene als Erweiterungsset für den kleinen Park im heimischen Modelleisenbahn-Gelände? Wer stellt so ein Produkt in den Laden und wer kauft sich das und warum? 

Morgen wird das Grundgesetz 70 Jahre alt. In Artikel 3 steht der wichtige Satz: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“. Aber sind sie das? In welchem Zustand ist unsere Gesellschaft wirklich und was bedeutet das für jede Einzelne aber auch uns alle gemeinsam?
Unsere Gesellschaft ist immer noch vom Patriarchat geprägt, in dem Männer das Sagen haben und Sexismus und sexualisierte Gewalt zum Alltag gehören.
Es kommt in keinen Abendnachrichten, wenn mal wieder ein Mann seine Ex-Frau ermordet hat, dabei passiert das fast jeden zweiten Tag. 

Manche wird sich fragen, was das mit Gendermarketing zu tun hat. Aber sexualisierte Gewalt hat ihre Wurzeln im Sexismus, und zu Sexismus gehört auch die Abwertung eines Geschlechts, die Kategorisierung von Frauen als minderwertig, ihre Objektifizierung, wie man sie im beschriebenen Drohnenbeispiel hervorragend erleben kann. 

Und als scheinbar harmlose Schicht darüber kommt die rosahellblau-farbene Stereotypisierung, die jedem Geschlecht seine vermeintlich naturgewollte Aufgabe und Kompetenz zuschreibt. Und so landen Männer mehrheitlich in Führungspositionen, bestimmten mit einem Anteil von 70% im Bundestag darüber, dass Ärzte sich weiterhin strafbar machen, wenn sie erwähnen, dass sie Schwangerschaftsabbrüche durchführen, Männer verdienen mehr, besitzen mehr Vermögen und erhalten höhere Renten. 

Gehaltsunterschiede haben natürlich viele Ursachen, aber einige davon haben mit Stereotypisierung sehr viel zu tun.
So übernehmen Frauen immer noch anderthalbmal mehr unbezahlte Care-Arbeit als Männer, vom Putzen bis zum Schulbrotschmieren. Berufe in denen mehrheitlich Frauen arbeiten, sind durch die Bank schlechter bezahlt.
Oft, weil sie dabei Aufgaben übernehmen, die als „natürliche Aufgaben“ der Frauen gelten, wie Kinderbetreuung, Alten- oder Krankenpflege. Der Frauenmangel in Naturwissenschaften oder Technik wird beklagt, genauso wie der Umstand, dass Mädchen sich mehrheitlich für immer die gleichen 25 Berufe entscheiden, als gäbe es nicht noch 300 andere Berufsbilder. 

Fragt man Mädchen nach ihren Berufswünschen, hört man zunehmend auch „Influencer“ oder „Model“. Die Kritik, diese Wünsche seien unrealistisch, finde ich gar nicht mal überzeugend,  denn damit argumentiert ja auch niemand, wenn Jungs erklären, einmal Kosmonaut werden zu wollen.
Aber Jungen, deren Traum der Weltraum ist, werden darin durch alle Arten Spielzeug und Medien unterstützt. Sie können beim Streben nach ihrem Traumjob schon als Kinder naturwissenschaftliche und technische Kompetenzen erwerben, was ihnen alle möglichen beruflichen Perspektiven erleichtert – auch auf der Erde. 

Solche Träume entwickeln Jungen aber auch, weil sie ihr ganzes Kinderleben lang von Gegenständen und Bildern umgeben sind, die ihnen solche Träume suggerieren, von der Weltraumbettwäsche bis zum Legoset.

Die Mädchenabteilung im Spielzeugladen ist ganz anders geprägt, da öffnet sich der Abgrund der Hölle, sie ist aber nicht schwarz und finster und stinkt nicht nach Schwefel, sie ist rosa und glitzert und riecht nach Parfüm.
Deshalb nehmen Eltern und Kinder auch nicht reiß aus, sondern lassen sich einlullen, und kaufen diesen Mist. Mist, der Mädchen einredet, dass sie nicht Kosmonautin werden können, sondern nur 2 Aufgaben im Leben haben: hübsch und sexy sein für Männer – da sind wir wieder bei der Objektifizierung – oder nützlich und zu Diensten, als Putzfrau, Köchin oder Krankenschwester, da sind wir wieder bei den schlecht bezahlten Berufen. 

Was ist schlimm am Model-Traum? Diese Frage beantwortet sich, wenn man überlegt, auf welche Kompetenzen es dabei ankommt. „Kompetenz“ ist vielleicht ein unpassendes Wort, wenn das Hauptauswahlkriterium das Aussehen und die Beschaffenheit des eigenen Körpers ist.
Aus jedem Aschenputtel kann eine Prinzessin werden, ist das Motto der Spielzeugindustrie – der analogen wie der virtuellen, es braucht nur die richtigen Klamotten, Accessoires und Schminke und wo das nicht hilft, ja dafür gibt’s dann ja Schönheitschirurgen! 

Und damit komme ich endlich zum Preisträger des diesjährigen Zaunpfahls, der Firma Stroer, die die online Spieleplattform „spieleaffe.de“ betreibt. Die dort angebotenen Spiele für Kinder, die mit der Rubrik Mädchenspiele eindeutig nur Mädchen ansprechen sollen, sind ein wirkliches Horrorkabinett.
Sie können – oder sollen? – dort prima lernen, wozu sie im Leben da sind, kurz gefasst, zum Klo-Putzen und schön sein. 

Der Preisträger des Jahres 2019, Empfänger des Goldenen Zaunpfahls, ist das online Spiel Toilette-Putzen aus der Kategorie „Mädchenspiele“. Hat ein Mädchen das natürlich rosa-lila farbene Bad samt WC mit den rosa Reinigungsmitteln, lila Handschuhen und lila Klobürste erfolgreich geputzt, wird es vom Spiel wie folgt belohnt: „Jetzt kannst Du noch ein tolles Makeup auflegen und ein hippes Outfit aussuchen und die Party kann kommen“.
Putzen und Schön sein, die bewährte Kombo. 

Nach der Entscheidung der Jury wurde das Unternehmen darüber informiert, als Reaktion wurde das Spiel von der Plattform genommen.
Den Goldenen Zaunpfahl erhält Stroer trotzdem, denn auch wenn dieser Schritt lobenswert ist, so kam er doch weder von allein noch rechtzeitig vor der Entscheidung der Jury. 

Und wenn man sich so auf der Plattform Spieleaffe weiter umschaut, entdeckt man noch jede Menge anderer Spiele, die nicht nur platt und stereotyp sind, sondern auch gesundheitsgefährdend. Das meine ich ganz wörtlich, denn die ständige Suggestion, Mädchen müssten bestimmten Schönheitsstandards genügen, führte unter anderem dazu, dass inzwischen Essstörungen die tödlichste psychische Erkrankung in Deutschland sind, die meisten Patient*innen sind junge Mädchen. 

Es ist erschütternd, dass immer mehr junge Mädchen glauben, hässlich und deshalb wertlos zu sein oder keine glückliche Zukunft haben zu können. Bei Spieleaffe.de spielen sie die Spiele „Instagram Famous“, „Influencer Make up“, „Ellis Beauty Tutorials“ oder auch das Spiel „Extreme Makeover“, wo sie als Stylistin ein normal gekleidetes Mädchen mit normaler Frisur in eine Glamourprinzessin verwandeln – in der Spielebeschreibung heißt das so: „vom studentischen Schlabberlook eines unscheinbaren Mädchens hin zu einem glamourösen neuen Look“, schminken, Zähne bleichen, sexy Klamotten anziehen und vom Schönheitschirurgen korrigieren lassen kann – als sei etwas kaputt an ihr. 

In der Spielebeschreibung steht: „Begleite sie zum plastischen Chirurgen, der Gesicht harmonischer gestaltet und Haarimplantate am Haaransatz einsetzt.“ Operative Eingriffe werden normalisiert und positiv konnotiert.
Ich finde das menschenverachtend, frauen- und kinderfeindlich. In seiner Selbstbeschreibung für Spieleentwickler (Entwicklerinnen werden dort nicht genannt) preist sich die Plattform jedoch selbst an als „familienfreundlich“ und „kindertauglich“, mit Tausenden Spielen „für alle Altersklassen“ an. 
Die Jury des Goldenen Zaunpfahls findet solche Angebote nicht kindertauglich. Wir hoffen, der Preis hat eine Wirkung, auf die Firma Stroer aber auch auf andere Hersteller genderstereotyper Produkte und Medien sowie last but not least auch auf Konsumentinnen und Konsumenten, denn wenn wir alle diesen Müll nicht mehr kaufen, wird ihn auch keiner produzieren.

In einem Antrag der AfD-Fraktion gibt sie vor, die Meinungsfreiheit im Internet schützen zu wollen. Doch was die AfD aber unter Meinungs- und Pressefreiheit versteht, weicht sehr stark davon ab, was Konsens in der Gesellschaft ist. Sie will praktisch einen Freifahrtschein für die eigene rassistische Hetze. Für mehr Freiheit im Internet fordern wir in der Linksfraktion z.B. verbindliche Sicherheitsstandards, Verschlüsselung, ein modernes Urheberrecht, eine Meldepflicht für Sicherheitslücken und ein Verbot von Staatstrojanern. Weiterlesen

Vor 4 Jahren wurde ich bei der friedlichen Aktion #Die Toten kommen, organisiert vom Zentrum für Politische Schönheit, Opfer von Polizeigewalt. Aber nicht die Polizisten wurden deshalb angeklagt, sondern ich fand mich vor Gericht wieder.
Mehrere Polizisten unterstellten mir Körperverletzungen, die ich nicht begangen hatte. Trotz vieler entlastender Beweise wurde ich in erster Instanz verurteilt.

Da ich aber unschuldig bin, ging ich in Berufung. Am ersten Prozesstag der Berufung, am 17.05.2019, habe ich vor Gericht die nachstehende Erklärung abgegeben und die angebotene Einstellung des Verfahrens bei Zahlung von 600€ abgelehnt.

Meine Stellungnahme vor dem Berliner Landgericht im Wortlaut.

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In den letzten Tagen ging #twittersperrt quer durch die Medien: SPD-Politiker*innen, Journalist*innen und sogar die Jüdische Allgemeine waren von ungerechtfertigten Sperrungen betroffen.  Die Vermutung, dass dahinter rechte Netzwerke liegen, die politisch Andersdenkende mundtot machen wollen, liegt nicht fern.

Twitter ließ in der heutigen Sitzung des Ausschusses Digitale Agenda zwar ausrichten, dass sie die politische Ausrichtung von Accounts nicht erfassen, aber dass in Deutschland relativ zur Anzahl der Nutzer*innen zehnmal mehr Tweets gemeldet werden, als in anderen europäischen Staaten, könnte diese Theorie stützen. Mehr Infos im Video.

Für mein Berliner Büro im Deutschen Bundestag suche ich zum 1. Juli 2019
eine Elternzeitvertretung als wissenschaftliche*n Mitarbeiter*in für den Bereich Netzpolitik
in Teilzeit (30,0 – 35,0 Std) oder Vollzeit (39 Std)

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Diese Woche fand wieder die re:publica in Berlin statt. Sie ist die größte Konferenz zu den Themen Internet und digitale Gesellschaft in Europa. Dieses Jahr war ich an zwei Diskussionsrunden beteiligt.
Die erste hatte den Titel „NoTechxit – Zurück zu Made in Europe“ und zusammen mit den anderen Gästen Claudia Nemat, Vorständin der Deutschen Telekom, Felix Lee, tageszeitung, und der Moderatorin Astrid Maier, ada/Handelsblatt Media Group, diskutierte ich, ob Europa in Sachen Technologie schon den Anschluss verloren hat. Über das zweite Panel zu Digitalisierung und ländlichem Raum werde ich in einem weiteren Beitrag hier schreiben.

In der #noTechxit– Debatte habe ich betont, dass Digitalisierung ganz klar einen gemeinwohlorientierten Fokus erhalten muss, wenn sie allen Menschen nutzen soll und eben nicht vor allem großen Digitalunternehmen. Wenn Europa sich auf diese Weise von der kapitalismusgetriebenen Technologiepolitik der USA und den Überwachungsambitionen der Chinesen absetzt, könnte es den Techxit vermeiden und sich als innovativer und sozialer Player positionieren.

Wir sollten dafür in Europa auf alles setzen, was open ist: Open Hardware, Open Source, Open Government, Open Educational Ressources, Open Access und Open AIgorithms. Vor allem für offene, transparente, überprüfbare und nachvollziehbare Hardware gibt es weltweit eine Marktlücke, die Europa besetzen und so einen Beitrag zu mehr IT-Sicherheit für alle schaffen könnte.

Auch ein wirklich soziales Netzwerk, das nicht der Profitmaximierung durch Werbeeinnahmen, sondern ausschließlich der Vernetzung von Menschen dient, wäre eine solche gemeinwohlorientierte Innovation, die meiner Meinung nach von Europa ausgehen und vor allem auch unsere Werte in Sachen Datenschutz und Privatsphäre abbilden sollte und die polarisierenden, demokratiegefährdenden Nebenwirkungen rein kommerzieller Plattformen wie Facebook nicht hat.

Wir müssen uns auch die Frage stellen, wie wir mit den Datenmonopolen der großen Digitalunternehmen umgehen wollen und auch die Idee einer verpflichtenden Datenbereitstellung dieser Konzerne – also eine Art Datenvergesellschaftung (für nicht personenbezogene Daten) diskutieren.
Dafür spricht sich auch EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager aus. In den Tagesthemen sagte sie gestern, den 8. Mai 2019, dass Google und Co. gezwungen werden könnten, ihre Daten mit kleineren Anbietern zu teilen, wenn sie ihre Marktmacht missbrauchen und der Wettbewerb gegen diese Giganten keine Chance mehr hat.

Meine Idee für eine integrierte Mobilitätsplattform, mit der man nach persönlichen Präferenzen und auf Basis offener Mobilitätsdaten filtern könnte, welche Art der Fortbewegung im jeweiligen Moment am passendsten ist (z. B. niedrigster CO2-Ausstoß kombiniert mit Kürze einer Verbindung) hat es sogar in den Kommentar der Tagesthemen vom 8. Mai geschafft.

Grundsätzlich brauchen wir in Europa, und ganz besonders in Deutschland, erst einmal eine Vision dafür, in welcher Art digitaler Gesellschaft wir eigentlich leben wollen. Meine Vision ist die einer gemeinwohlorienten digitalisierten Gesellschaft, welche Vision die Bundesregierung hat, weiß bisher leider niemand.
Ich fürchte, sie hat gar keine und agiert deshalb so planlos und ohne Weitsicht und Mut.

Das Landleben kommt wieder! In Zeiten steigender Mieten, überfüllter Städte und gleichzeitigen dezentralen (Job)Chancen durch Digitalisierung gibt es eine Fülle von neuen Projekten und Initiativen, die es aufs Land zieht.

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Mitten in einer Marslandschaft, auf 2.500 Metern Höhe, 2,5 Autostunden von Antofagssta im Norden Chiles entfernt liegt die Europäische Südsternwarte El Paranal. Unsere Bundestagsdelegation war heute dort, Deutschland ist Mitglied der ESO, das Hauptquartier sind in Garching bei München.

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Als stellvertretende Vorsitzende der Parlamentariergruppe Cono Sur-Staaten bin ich diese und nächste Woche zu Besuch in Chile und Uruguay. Unser Programm ist wie immer bei solchen Reisen sehr eng getaktet.

Gestern besuchten wir das chilenische Parlament in Valparaíso – es ist beeindruckend, wie über Riesenbildschirme Transparenz zum Parlamentsgeschehen geschaffen wird: Anwesenheitszahlen, Rednerinfos, Tagesordnung, live Übersetzung in Gebärdensprache.

Auf den Tischen stehen ebenfalls Bildschirme. Als ich dort erzählte, dass im Bundestag Laptops verboten sind im Plenum, gab es ungläubiges Staunen. Wir trafen Abgeordnete und den Parlamentspräsidenten und erfuhren, dass nur 26 von 155 Abgeordneten Frauen sind. 
Es gibt eine 40% Quote für Kandidatenlisten, aber die werden nicht hierarchisch von oben nach unten gewählt, so dass auch eine Liste nach Reißverschlussprinzip nicht viel bringt, wenn die Frauen trotzdem nicht gewählt werden.

Der Botschafter erzählte uns viel über das Land, der Honorarkonsul von Valparaiso zeigte uns das große deutsche Erbe der Stadt. 
Hier siedelten seit über 100 Jahren viele Deutsche, es gibt deutsche Kitas, Schulen, Altersheime, selbst eine deutsche Feuerwehr und einen deutschen Frauenverein.

Der Großvater des Honorarkonsuls kam vor 100 Jahren nach Chile, dennoch spricht er akzentfrei deutsch, bestenfalls einen Hauch Ostpreussisch konnte ich heraushören. 
Wir trafen auch etliche Abgeordnete mit deutschen Wurzeln, Carlos Kuschel beispielsweise, der auch fließend deutsch spricht. 
Ein Parlamentsaal heisst „Krause“.

Jetzt geht es 1,5-2h mit dem Minibus zurück nach Santiago, wo es am Abend noch ein Treffen mit Vertreter*innen deutscher Parteistiftungen gibt. 
Das wird nicht leicht, denn es fängt um 20:00 Uhr Ortszeit erst an, seit 7:30 Ihr sind wir unterwegs und es gibt 6h Zeitverschiebung. Für mein biologisches Zeitgefühl fängt das Meeting also nachts um 2 Uhr erst an…

Alle Bilder: CC-BY 4.0 Anke Domscheit-Berg

Ihren Wahlkreistag am 16. April begann die  Bundestagsabgeordnete Anke Domscheit-Berg mit einem Besuch des städtischen Klinikums Brandenburg an der Havel. Dort wurde sie von Geschäftsführerin Gabriele Wolter, Dr. Mathias Sprenger als Mitglied des ärztlichen Direktoriums und Lutz Pelchen, dem Pflegedirektor des Klinikums empfangen.

Das Städtische Klinikum ist mit über 1000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber der Stadt. Ein erfreulicher Punkt des Gespräches war daher die Einigung im Tarifstreit mit dem Betriebsrat des Klinikums, e durch die nun mehr Pflegekräfte eingestellt werden. Die Bundestagsabgeordnete lobt, „Damit ist hoffentlich der Weg für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege eingeschlagen, denn Pflege am Limit darf es nicht länger geben!“. Natürlich  interessierte sich die Netzpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag auch  für  die Digitalisierung im Krankenhaus und erfuhr, dass per 3D-Drucker (andernorts) hergestellte Knie-Prothesen schon in der Klinik eingesetzt werden. Außerdem schätzen die Mitarbeiter*innen in Bereichen, wo die elektronische Patientenakte bereits genutzt wird, die damit verbundene Arbeitserleichterung und Verordnungssicherheit. Anke Domscheit-Berg merkt an „Dennoch ist das Ziel der Bundesregierung, bis 2021  die elektronische Patientenakte verpflichtend einzuführen, schwer erreichbar oder sogar riskant,  weil es bundesweit zu wenig Ressourcen für IT Sicherheit und IT Ausstattung im Gesundheitswesen ganz allgemein gibt“. Nicht nur technische Erneuerungen und Investitionen in der IT scheitern oft vor allem am Geld, das betrifft auch innovative Technologien wie 3Druck für alle Arten individualisierter Prothesen. „Ich finde es immer wieder schlimm, wenn Daseinsvorsorge, wozu auch das Gesundheitswesen gehört, kommerzialisiert  wird“, kritisiert die Bundestagsabgeordnete die fatale Gesundheitspolitik des Regierung, „Eine Gesellschaft, die die Behandlung Kranker nur nach ökonomischen Optimierungsprinzipien ausrichtet, maximiert Rentabilität und nicht Gesundheit und Wohlergehen der Bevölkerung, ich halte das für grundfalsch.“

Ihr zweiter Termin führte Anke Domscheit-Berg zur Antidiskriminierungsstelle der Stadt Brandenburg. Hier übergab sie zusammen mit der Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau zwei Schecks  über jeweils 500 Euro. Etwa 500 Euro zahlen die Abgeordneten der Linksfraktion im Bundestags aktuell monatlich  an ihren Fraktionsverein, eine Summe, diesich aus einem festen Mitgliedsbeitrag und den aufgelaufenen Diätenerhöhungen einer Legislatur ergibt,  denn Die Linke l lehnt alle Diätenerhöhungen ab und stellt konsequenterweise auch ihre eigenen Diätenerhöhungen für soziale Zwecke zur Verfügung. . An  den Fraktionsverein (www.fraktionsverein.de) können soziale Initiativen Anträge auf Förderung stellen. Gleich  zwei Mal beantragte die Antidiskriminierungsstelle Brandenburg an der Havel e.V. eine solche Spende, um in Workshops Betroffene im Umgang mit Diskriminierung  zu schulen.

Christin Willnat, die Vereinsleiterin, wünscht sich noch mehr Unterstützung durch die Kommune Brandenburg an der Havel für ihre wichtige Arbeit, denn der Verein macht diese Arbeit ehrenamtlich, nur spendenfinanziert und bisher ohne öffentliche Fördergelder. Hauptsächlich kommen Menschen zu ihr in die Beratung, die bei der Wohnungssuche oder in ihrem Arbeitsverhältnis von Diskriminierung betroffen sind, zum Beispiel aufgrund eines Migrationshintergrundes. „Christin Willnatmacht ihre Arbeit kompetent und mit viel Herzblut, sie füllt eine Lücke in der Antidiskriminierungsberatung, denn zum Beispiel für in Deutschland geborene Menschen mit Migrationshintergrund, die Diskriminierung erfahren, ist in der Stadt sonst niemand zuständig. Daher unterstützen wir dieses Engagement natürlich sehr gerne!“, so  Anke Domscheit-Berg.

Einen  weiteren Scheck aus dem Spendentopf des Fraktionsvereins der Linksfraktion konnte die Bundestagsabgeordnete zusammen mit Petra Pau an die BIKE BOX Brandenburg, ansässig auf dem Gelände der Jugendkulturfabrik „Haus der Offiziere“ in Brandenburg übergeben. Die Bike Box ist eine Selbsthilfe-Fahrradwerkstatt für alle Brandenburger*innen, Einheimische wie Zugezogene. „Da für viele Geflüchtete das Fahrrad ihr Hauptverkehrsmittel ist und ihnen ein Stück Unabhängigkeit gibt,  ist die Werkstatt gerade auch  für sie besonders wichtig und wird häufig genutzt.“, erklärt Anke Domscheit-Berg.

Ehrenamtliche Helfer*innen zeigen ihren „Kund*innen“, wie man bestimmte Reparaturen vornimmt, damit sie es beim nächsten Mal auch selbst machen können. Gespendete Fahrräder mit Reparaturbedarf bringen sie auf Vordermann. Um die Arbeit auch bei Wind und Wetter durchführen zu können, benötigt die Bike Box ein großes Vordach, denn derzeit besteht sie nur aus einem Schiffscontainer. Mit der Spende von 500 Euro  werden die Baumaterialien für das Dach finanziert, gebaut wird von den Ehrenamtlichen selbst.

Am Abend las Petra Pau auf Einladung von Anke Domscheit-Berg aus ihrem Buch „Gottlose Type“ vor. Im Haus der Offiziere in Brandenburg an der Havel trug die Bundestagsvizepräsidentin Geschichten und Anekdoten aus über 20 Jahren Parlamentserfahrung vor. Seit 1998 sitzt sie direkt gewählt im Bundestag – zuerst noch in Bonn. Zeitweise saß sie nur zusammen mit Gesine Lötzsch als fraktionslose Abgeordnete im Parlament. Doch selbst das nimmt die Berlinerin mit Humor und berichtet“Unsere Sitzungen gingen nur eine halbe Stunde“. Damals gab es für die beiden linken MdB nicht einmal einen Tisch im Parlament. Ein Andenken aus dieser Zeit ist ein Geburtstagsgeschenk von 2003, ein Rollkoffer, den man zu einem Tisch ausklappen kann, und der sie zu allen Lesungen begleitet. Den Rollkoffer-Tisch nutzte Petra Pau als Tischersatz im Bundestag, wegnehmen durfte ihn niemand, denn darin befanden sich ihre Dokumente als Abgeordnete, die einen besonderen Schutz genießen.   Anke Domscheit-Berg ist erst seit Oktober 2017 im Bundestag, hat mit Petra Pau aber dennoch einige Gemeinsamkeiten, der Einsatz für eine gemeinwohlorientierte und positiv gestaltete Digitalisierung gehört dazu, aber auch ein besonderes Interesse für Bürgerrechte und Demokratie. Beide sind zutiefst beunruhigt vom Rechtsruck in der Gesellschaft, der auch im Bundestag erkennbar ist, engagieren sich selbst für den Erhalt von Freiheit und Demokratie und rufen dazu auf, sich gemeinsam dem Erstarken von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit entgegenzustellen.