In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion zum Umsetzungsstand der “Umweltpolitischen Digitalagenda”, der Ökobilanz der Bundesrechenzentren und Plänen zur ökologischen Transformation der IT-Infrastruktur legte die Bundesregierung auf 80 Seiten dar, dass sie einerseits wenig Durchblick und andererseits wenig Plan hat. Deutlich wurde dabei auch die vorherrschende Klimaschädlichkeit von Rechenzentren des Bundes, ohne dass erkennbar ist, wie in diesem Bereich bis 2030 die beschlossene Klimaneutralität der Bundesverwaltung erreicht werden soll. Die Digitalisierung ist ein wesentlicher Treiber des Klimawandels, so trägt auch der Betrieb von über 100 Rechenzentren des Bundes nennenswert zum CO2 Fußabdruck der Bundesverwaltung bei.

Die netzpolitische Sprecherin der Linksfraktion und Federführende der Kleinen Anfrage, Anke Domscheit-Berg, äußert sich entsetzt angesichts der erhaltenen Auskunft: “Die Antwort der Bundesregierung deckt eklatante Mängel auf. Diese Bundesregierung scheint nicht nur völlig ehrgeizlos zu sein, sondern auch buchstäblich ahnungslos.”

Ihre Kritik setzt die Abgeordnete fort:
“Die vorgelegten Zahlen geben nicht einmal eine rudimentäre Ökobilanzierung her, sie sind unvollständig, widersprüchlich und wo es überhaupt Daten gibt, zeigen sie, wie klimaschädlich die Bundes-IT noch ist. Zum Beispiel gibt es für 42 von 107 Rechenzentren keine Antwort auf die Frage, ob die Abwärme der Rechenzentren genutzt wird. Wie kann man das nicht wissen, wenn sogar 74 Rechenzentren in Eigenregie betrieben werden? Nur bei sieben Rechenzentren ist bekannt, dass sie die Abwärme nutzen, das ist viel zu wenig! Auch beim Anteil erneuerbarer Energien oder den eingesetzten Kältemitteln kann die Bundesregierung für mindestens 45 Prozent der Rechenzentren keine Antwort geben, nur für 11 Rechenzentren wird die Nutzung klimafreundlicher Kältemittel erklärt und nur jedes vierte Rechenzentrum nutzte 2020 zu 100 Prozent erneuerbare Energien.
Völlig unverständlich ist das Chaos bei der Anzahl der Rechenzentren, je nachdem, welche Teilfrage die Bundesregierung beantwortete, hat etwa das BMWi mal zehn und mal 27 Rechenzentren. Noch im Dezember 2020 gab die Bundesregierung für das BMI 85 Rechenzentren des BMI an, kein einziges davon ist in den Tabellen zur Klimafreundlichkeit der Bundes-IT enthalten und nur 14 tauchen überhaupt an irgendeiner Stelle auf!
Offensichtlich fehlt ein qualitativ verlässliches Monitoring, eine solche Datenqualität ist nicht nur peinlich, sondern auch eine denkbar schlechte Ausgangsbasis für eine systematische und schnelle Transformation zu einer nachhaltigen IT.”

Seit 2012 gibt es das Umweltsiegel “Blauer Engel für energieeffizienten Rechenzentrumsbetrieb”, entwickelt vom Bundesumweltministerium. Aktuell sind bundesweit nur drei Rechenzentren damit zertifiziert. Nach ihrer Antwort erfüllt auch kein einziges der Bundes-RZ die Kriterien des Blauen Engels.

Dazu erklärt Anke Domscheit-Berg:
“Obwohl laut Antwort der Bundesregierung der “Betrieb vorhandener sowie die Konzeption neuer Rechenzentren […] bereits nach aktueller Beschlusslage des IT-Rates die Kriterien des Blauen Engel für Rechenzentren berücksichtigen [soll]“, ist die Realität eine Andere. Bei keinem einzigen der 107 erfassten Rechenzentren werden alle acht Kriterien eingehalten, selbst bei den 17 in Planung befindlichen Rechenzentren soll nicht einmal jedes Zweite die Kriterien des Blauen Engel erfüllen! Die Einhaltung der Vorgaben ist offensichtlich unverbindlich und wird nicht einmal geprüft, denn wieder gab es für jedes zweite Rechenzentrum keinerlei Angaben dazu. Die Daten müßten jederzeit auf Knopfdruck abrufbar sein, wenn man es ernst meint mit energieeffizientem Rechenzentrumsbetrieb!
Vielleicht erklärt die Bundesregierung ja deshalb auch in ihrer Antwort auf meine Kleine Anfrage, dass sie keinerlei Regulierung zu Mindesteffizienzkriterien plant, weil sie selbst so ehrgeizlos ist. Aber die Zeit drängt, die Klimakrise erfordert sofortiges, entschlossenes, verbindliches und konsequentes Handeln. Deshalb ist es dringend an der Zeit, ein funktionierendes Monitoring aufzubauen, verbindliche Pläne zur klimaverträglichen Transformation der IT-Infrastruktur des Bundes zu entwickeln und ohne Ausnahmen umzusetzen, aber auch Regulierung zu verschärfen, damit die Tausenden Rechenzentren in Deutschland zeitnah weniger klimaschädlich werden.”

Daten:

*       Kleine Anfrage der Linksfraktion (nur Fragen) – DS 19/29993: Link

*       Kleine Anfrage mit Antwort der Bundesregierung – DS 19/31210 Link

*       Ausführlichere Auswertung dieser Antwort auf www.ankedomscheitberg.deLink

*       Tabelle mit Auswertung der Anzahl Rechenzentren inkl. Datenchaos – Link

*       Tabelle mit Auswertung zu Klimadaten der Rechenzentren – Link