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#DialogDigital mit Lorenz Gösta Beutin: Digitalisierung und Klimakrise

Um Klimakrise und was die Digitalisierung damit zu tun hat, ging es in der 6. Ausgabe meines #DialogDigital, zu der Lorenz Gösta Beutin mein Gast war, der energie- und klimapolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Bundestag. Unsere beiden Fachbereiche haben viel miteinander zu tun und so beschäftigten uns die Fragen: Wie hängen Digitalisierung und Klimakrise kokret zusammen? Was ist dran an dem Satz „Die Digitalisierung ist sowohl Teil des Problems als auch Teil der Lösung”? Und wieso gilt mal wieder: „System Change not Climate Change“?

Wir sprachen über Energieverbrauch von Hard- und Software, wie man negative Wirkungen verringern kann, im Kleinen bei der Handynutzung oder beim Serie-Streamen oder im Großen, z.B. durch Abwärmenutzung in Rechenzentren. Es ging um Mindesteffizienzkriterien und Datensparsamkeit, längere Hardwarenutzungsdauer, Lieferkettengesetz oder Kreislaufwirtschaft, aber auch um die Kleine Anfrage, die wir genau zu diesem Thema an die Bundesregierung gestellt hatten und deren haarsträubende Antwort inzwischen eingetrudelt ist (siehe nachfolgende Links).

Wir widmeten uns aber auch den Potenzialen der Digitalisierung z.B. für die Energie- und Verkehrswende. Am Ende sprachen wir noch über den Einfluss digitaler Hilfsmittel bei Vernetzung und Campaigning von Klima-Aktivist:innen.

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In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion zum Umsetzungsstand der “Umweltpolitischen Digitalagenda”, der Ökobilanz der Bundesrechenzentren und Plänen zur ökologischen Transformation der IT-Infrastruktur legte die Bundesregierung auf 80 Seiten dar, dass sie einerseits wenig Durchblick und andererseits wenig Plan hat. Deutlich wurde dabei auch die vorherrschende Klimaschädlichkeit von Rechenzentren des Bundes, ohne dass erkennbar ist, wie in diesem Bereich bis 2030 die beschlossene Klimaneutralität der Bundesverwaltung erreicht werden soll. Die Digitalisierung ist ein wesentlicher Treiber des Klimawandels, so trägt auch der Betrieb von über 100 Rechenzentren des Bundes nennenswert zum CO2 Fußabdruck der Bundesverwaltung bei.

Die netzpolitische Sprecherin der Linksfraktion und Federführende der Kleinen Anfrage, Anke Domscheit-Berg, äußert sich entsetzt angesichts der erhaltenen Auskunft: “Die Antwort der Bundesregierung deckt eklatante Mängel auf. Diese Bundesregierung scheint nicht nur völlig ehrgeizlos zu sein, sondern auch buchstäblich ahnungslos.”

Ihre Kritik setzt die Abgeordnete fort:
“Die vorgelegten Zahlen geben nicht einmal eine rudimentäre Ökobilanzierung her, sie sind unvollständig, widersprüchlich und wo es überhaupt Daten gibt, zeigen sie, wie klimaschädlich die Bundes-IT noch ist. Zum Beispiel gibt es für 42 von 107 Rechenzentren keine Antwort auf die Frage, ob die Abwärme der Rechenzentren genutzt wird. Wie kann man das nicht wissen, wenn sogar 74 Rechenzentren in Eigenregie betrieben werden? Nur bei sieben Rechenzentren ist bekannt, dass sie die Abwärme nutzen, das ist viel zu wenig! Auch beim Anteil erneuerbarer Energien oder den eingesetzten Kältemitteln kann die Bundesregierung für mindestens 45 Prozent der Rechenzentren keine Antwort geben, nur für 11 Rechenzentren wird die Nutzung klimafreundlicher Kältemittel erklärt und nur jedes vierte Rechenzentrum nutzte 2020 zu 100 Prozent erneuerbare Energien.
Völlig unverständlich ist das Chaos bei der Anzahl der Rechenzentren, je nachdem, welche Teilfrage die Bundesregierung beantwortete, hat etwa das BMWi mal zehn und mal 27 Rechenzentren. Noch im Dezember 2020 gab die Bundesregierung für das BMI 85 Rechenzentren des BMI an, kein einziges davon ist in den Tabellen zur Klimafreundlichkeit der Bundes-IT enthalten und nur 14 tauchen überhaupt an irgendeiner Stelle auf!
Offensichtlich fehlt ein qualitativ verlässliches Monitoring, eine solche Datenqualität ist nicht nur peinlich, sondern auch eine denkbar schlechte Ausgangsbasis für eine systematische und schnelle Transformation zu einer nachhaltigen IT.”

Seit 2012 gibt es das Umweltsiegel “Blauer Engel für energieeffizienten Rechenzentrumsbetrieb”, entwickelt vom Bundesumweltministerium. Aktuell sind bundesweit nur drei Rechenzentren damit zertifiziert. Nach ihrer Antwort erfüllt auch kein einziges der Bundes-RZ die Kriterien des Blauen Engels.

Dazu erklärt Anke Domscheit-Berg:
“Obwohl laut Antwort der Bundesregierung der “Betrieb vorhandener sowie die Konzeption neuer Rechenzentren […] bereits nach aktueller Beschlusslage des IT-Rates die Kriterien des Blauen Engel für Rechenzentren berücksichtigen [soll]“, ist die Realität eine Andere. Bei keinem einzigen der 107 erfassten Rechenzentren werden alle acht Kriterien eingehalten, selbst bei den 17 in Planung befindlichen Rechenzentren soll nicht einmal jedes Zweite die Kriterien des Blauen Engel erfüllen! Die Einhaltung der Vorgaben ist offensichtlich unverbindlich und wird nicht einmal geprüft, denn wieder gab es für jedes zweite Rechenzentrum keinerlei Angaben dazu. Die Daten müßten jederzeit auf Knopfdruck abrufbar sein, wenn man es ernst meint mit energieeffizientem Rechenzentrumsbetrieb!
Vielleicht erklärt die Bundesregierung ja deshalb auch in ihrer Antwort auf meine Kleine Anfrage, dass sie keinerlei Regulierung zu Mindesteffizienzkriterien plant, weil sie selbst so ehrgeizlos ist. Aber die Zeit drängt, die Klimakrise erfordert sofortiges, entschlossenes, verbindliches und konsequentes Handeln. Deshalb ist es dringend an der Zeit, ein funktionierendes Monitoring aufzubauen, verbindliche Pläne zur klimaverträglichen Transformation der IT-Infrastruktur des Bundes zu entwickeln und ohne Ausnahmen umzusetzen, aber auch Regulierung zu verschärfen, damit die Tausenden Rechenzentren in Deutschland zeitnah weniger klimaschädlich werden.”

Daten:

*       Kleine Anfrage der Linksfraktion (nur Fragen) – DS 19/29993: Link

*       Kleine Anfrage mit Antwort der Bundesregierung – DS 19/31210 Link

*       Ausführlichere Auswertung dieser Antwort auf www.ankedomscheitberg.deLink

*       Tabelle mit Auswertung der Anzahl Rechenzentren inkl. Datenchaos – Link

*       Tabelle mit Auswertung zu Klimadaten der Rechenzentren – Link

Die Klimakrise verschärft sich und die Informationstechnik trägt wesentlich dazu bei. Schon jetzt ist ihr Beitrag zur Erhöhung des CO2 Ausstoßes größer, als durch die weltweite zivile Luftfahrt, deshalb habe ich gemeinsam mit meinem Kollegen Gösta Beutin, klimapolitischer Sprecher der Linksfraktion, die Bundesregierung in einer Kleinen Anfrage zum Thema Digitalisierung und Nachhaltigkeit befragt. In der Vergangenheit stellte die Bundesregierung verschiedene ambitionierte Projekte wie die „Umweltpolitische Digitalagenda“ vor. Wir haben nachgehakt, inwiefern die Umsetzung voranschreitet und welche weiteren Schritte die Bundesregierung unternimmt, um im Einklang mit den Pariser Klimazielen für den eigenen CO2-Fußabdruck Verantwortung zu übernehmen. Dabei habe ich mich vor allem nach der Klimawirkung und Nachhaltigkeit von IT-Infrastruktur wie Rechenzentren erkundigt, nach Status Quo und bestehenden Plänen, wie man die beschlossene Klimaneutralität der Bundesverwaltung bis 2030 auch in der Praxis erreichen will und welche Regulierungen man plant, um auch bundesweit die negative Klimawirkung von Rechenzentren zu verringern.  

Die Antwort der Bundesregierung deckte eklatante Mängel auf, denn sie scheint nicht nur völlig ehrgeizlos zu sein, sondern auch buchstäblich ahnungslos. Beides ist ein gleichermaßen großes Problem, denn wer einen Missstand ändern will, muss zuerst die Ausgangslage verstehen. Die Bundesregierung scheitert bereits daran. Das Ausmaß der Unkenntnis des Status Quo in Sachen Klimabilanz der Bundes-IT ist erschreckend. Nach fünf Wochen Bearbeitungszeit lieferte sie nicht einmal eine rudimentäre Ökobilanzierung ihrer Rechenzentren.

Eine Gesamtkoordination der umweltpolitischen Digitalagenda ist nicht erkennbar, es gibt offenbar nicht einmal grundlegende Monitoringprozesse zur Klimawirkung der Bundesrechenzentren.

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