Heute stand nach dem morgendlichen Besuch bei iHub ein Abstecher zu einer Secondary School auf unserem vollgestopften Plan; der Precious Blood School in Nairobi (ja, die hieß wirklich so). Diese Mädchenschule wurde einmal von deutschen Nonnen gegründet, zwei von ihnen, heute hochbetagt, waren anwesend. Sie haben bis 1964 noch selbst unterrichtet, unter anderem Biologie. Wir wurden in der Aula empfangen und durften einen spektakulären Schulchor erleben. Der wurde beinahe getoppt von kleinen Theaterstücken, die im Deutschunterricht zum Thema getrennte Verben entstanden waren. Die Schule gehört zum von Deutschland geförderten und vom Goethe-Institut koordinierten PASCH-Netzwerk, Partner Schulen der Zukunft, in dem eben nicht Eliteschulen, sondern normale, fast ausschließlich öffentliche Schulen überall auf der Welt und auch in ländlichen Gebieten im Deutschunterricht gefördert werden. In Kenia sind es drei Schulen.

Der Innenhof der Precious Blood School in Nairobi

Inzwischen lernen 100 Mädchen hier Deutsch, das Fach hat die beste Durchschnittsnote an der Schule (ein A, der Schuldurchschnitt über alle Fächer ist A-). Und das erreicht eine einzige Deutschlehrerin!
10.000€ erhält eine PASCH-Schule pro Jahr, für Lehrmittel, Computer, Beteiligung an nationalen und internationalen PASCH-Projekten, für Schülerstipendien, um Deutschland zu besuchen, Deutsch zu lernen und das Land aber auch PASCH-Schülerinnen aus aller Welt kennenzulernen.

Ein Mädchen der Precious Blood School war mal in Stuttgart. Als wir sie fragten, was sie einmal werden möchte, sagte sie folgendes: „Ich möchte Politikwissenschaften studieren. Und dann Abgeordnete werden. Danach Gouverneurin. Und wenn alles gut geht, eines Tages Präsidentin von Kenia sein.“ Ihrem Gesichtsausdruck war anzusehen, dass sie das genau so meinte. In der Schulhymne singen die Schülerinnen zwar: „we will do the ordinary extraordinary well“, aber offenbar wird ihnen nicht der Ehrgeiz für außerordentliche Ziele abgewöhnt.



Direkt von der Precious Blood School ging es zur Berufsschule Nairobi Technical Training Institute. Dort erzählte zuerst ein Botschaftsvertreter von der deutsch-kenianischen Kooperation auf dem Gebiet der beruflichen Bildung (das Thema hatten wir ja schon öfter auf der Reise), dann ein Vertreter der Außenhandelskammer über deren Engagement dazu.

Kenia hat eine sehr junge Bevölkerung, 60% sind unter 24 Jahre alt, die Jugendarbeitslosigkeit beträgt offiziell 26%, ist aber wohl viel höher, denn ohnehin arbeiten nur 20% der Beschäftigten in echten Jobs mit Arbeitsvertrag und Monatslohn, die übrigen 80% sind informell beschäftigt, viele leben von der Hand im Mund.
Jährlich drängen eine Million Kenianer*innen neu auf den Arbeitsmarkt. Trotzdem gibt es Fachkräftemangel, denn 85% der Schulabgänger erwerben keine berufliche Qualifikation. 10% studieren, 5% machen eine Berufsausbildung, viel zu wenig!

Evans, sein 3D-Drucker, mit dem er gerade ein Lasercutter-Bauteil druckt und ich

Auch deshalb trägt die Industrie in Kenia nur 9% zum BIP bei, 60% Beschäftigte arbeiten in der Landwirtschaft. Das Image der Berufsausbildung ist schlecht, die Inhalte gehen oft am Bedarf vorbei. Die AHK suchte daher mühsam vier Unternehmen (Hotels), für eine duale Ausbildung (70% Praxis, 30% Theorie) in Hospitality Management. Sie läuft bisher sehr erfolgreich. 
Wir schauten uns dann den Gastgeber, die Technische Berufsschule an, gegründet 1989, mit heute 4.500 Schüler*innen. Diverse Berufe von Solaringenieur*in über Kfz-Mechaniker*in bis zu Elektronikfachkräften werden hier ausgebildet. Die KfW und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützen den Umbau zu einem Exzellenzzentrum für berufliche Bildung – als Vorbild zum Nachahmen. Einer der Schüler ist Evans (Bild links), er baut sich einen Lasercutter selbst und druckt dafür gerade ein Bauteil mit dem 3D-Drucker.

Alle Bilder: CC-BY 4.0 Anke Domscheit-Berg