Sommertour: Anke Domscheit-Berg in Potsdam Mittelmark

Eine Region im Wandel - Arbeit und Leben außerhalb des Speckgürtels

Berlin20.08.2018

Die brandenburgische Bundestagsabgeordnete Anke Domscheit-Berg war am vergangenen Donnerstag und Freitag erneut in ihrem Wahlkreis unterwegs. Diesmal ging es nach Potsdam Mittelmark, rund um Wiesenburg, Bad Belzig und Borkheide.

Gut Schwemmeritz, Bild: Claudia Sprengel, CC BY-SA 4.0

Das erste Ziel war Gut Schmerwitz, ein Gutshof, der Bioprodukte produziert, wie Nudeln aus eigener Manufaktur oder Wurst im Glas. Die Abgeordnete auch einen der Hühnerställe, in denen Bioeier gelegt werden. Die Eier gibt es im eigenen kleinen Hofladen von XS bis XXL zu kaufen, alle anderen Produkte auch. „Ein wunderschönes Fleckchen Erde“, begeisterte sich Anke Domscheit-Berg. Gegessen wurde in einer kleinen Kirche, die nicht nur zum Bistro umgebaut wurde, sondern auch zu einen Töpferladen mit liebevoll produziertem Handwerk des Scarabäus Hoher Fläming e.V. Dort arbeiten ehemalige Suchtabhängige und stellen kunstvolle Töpferwaren her. „Ich hab mich dort vor Ort mit einigen schönen Stücken eingedeckt, für zuhause und auch als Geschenke“ freut sich die Abgeordnete. Die Geschäftsführerin, Rita Neumann, ist quasi das Gut Schmerwitz. Sie arbeitet dort schon seit 49 Jahren, 25 Jahre als Betriebsleiterin. Im Gespräch mit ihr ging es dann sehr lange um Breitbandausbau mit Glasfaser und Mobilfunklöcher – dem Kernthema der Netzpolitischen Sprecherin der Linksfraktion, Anke Domscheit-Berg.
Im Anschluss besuchte die Abgeordnete gemeinsam mit Wiesenburgs Bürgermeister Marco Beckendorf (DIE LINKE), die dort ansässige Drahtzieherei, die vor gut einem Jahr von Lincoln Electronics aufgekauft wurde. Nachdem das vertraglich verpflichtete Bestandsjahr um war, wurde im Mai der Belegschaft mitgeteilt, dass der Standort geschlossen werden soll – angeblich wegen Unwirtschaftlichkeit. Ein fragliches Argument, da die Nachfrage boomt und die Margen nach Angaben einer ehemaligen Führungskraft der Drahtzieherei zuletzt sogar bei 20% lagen. Das Werk in Wiesenburg hatte volle Auftragsbücher und arbeitete profitabel. „Erst am folgenden Tag erhielt ich einen Anruf von einem Vertreter des Konzerns, den ich bereits im Juli um einen Gesprächstermin gebeten hatte, der aber keine neuen Informationen brachte“, erklärte die Bundestagsabgeordnete. Gemeinsam mit anderen linken Politikern versuchte sie schon vorab, die Schließung des Werkes zu verhindern, denn es gab sogar mehrere Kaufinteressenten. Dennoch wurde im Juli bekannt gegeben, dass die Arbeit eingestellt wird. So stehen die Maschinen nun still, denn verkaufen will der Konzern nicht. „Ein Fall, der nach Marktbereinigung riecht, wo man einen Konkurrenten durch Aufkauf und Stilllegung loswerden will. So lief es damals in Bischofferode jedenfalls auch und natürlich würde man so etwas nicht zugeben. Von Seiten des Konzerns hieß es schlicht, die Angebote der Kaufinteressenten seien nicht attraktiv genug gewesen“, kommentiert Anke Domscheit-Berg die Abwicklung des Unternehmens. Nun hängen Arbeitskräfte in der Luft. Produktionsleiter Andreas Schilling, der durch die Anlage führte, wünschte sich am meisten, die Maschinen und Anlagen mit der Belegschaft beispielsweise als Genossenschaft übernehmen zu können, um die Produktion fortzusetzen, denn der Markt für den Draht ist da. Die meisten der etwa 40 Mitarbeiter*innen kommen aus der Gegend um Wiesenburg und da es dort sonst keine Industrie gibt, hängt viele von diesen Arbeitsplätzen ab. Aber auch an die Belegschaft will der Konzern nicht verkaufen. Die Abgeordnete verspricht daher: „Ich werde mich weiter für den Standort einsetzen, noch lebt ein Rest Hoffnung. Die Besichtigung war trotz traurigem Anlass sehr spannend, ich bekam alles genau erklärt, wie Draht entsteht, beschichtet wird, etc. und es war natürlich sehr beeindruckend, so eine Geisterfabrik zu besuchen, in der Staub sich langsam über unbenutzte Tische legt, aber die Kupferdrahtrollen so schön glänzen, als wären sie erst gestern produziert worden. Vielleicht finden sie ja doch noch Käufer.“

Anke Domscheit-Berg bei FAFIM, Bild: Claudia Sprengel, CC BY-SA 4.0

Der letzte Termin am Donnerstag war ein Gespräch mit Wohnbeirät*innen und Betreuerinnen der LAFIM Wohnstätten für Menschen mit Behinderungen, aus Potsdam Mittelmark und Brandenburg an der Havel. Grund für die Anfrage war der Rheinsberger Kongress zum Bundesteilhabegesetz im Februar 2018. Dort bekamen die Teilnehmer*innen die Hausaufgabe, mit Politiker*innen aus ihrer Region
zu sprechen und ihre Forderungen zur Verbesserung des Gesetzes vorzutragen. Für den Termin hatte Anke Domscheit-Berg dann auch Hausaufgaben: „Als Netzpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag habe ich andere Schwerpunkte und musste mich mehr als sonst für Termine vorbereiten. Ich berichtete, wie Die Linke sich schon seit Jahren für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen einsetzt und davon, dass die Linke das Bundesteilhabegesetz als nicht konform mit der UN-Behindertenkonvention kritisiert hat und viele Verbesserungsvorschläge einbrachte, schon bevor das Gesetz verabschiedet wurde.“

So konnte die Abgeordnete den Forderungen, die von den Wohnbeirät*innen Uwe Richter, Andre Gapinski, Janin Berndt, Marcel Meissner und ihren Betreuerinnen, Kerstin Schulz und Anke Schladitz, vorgestellt wurden, nur zustimmen und ihr weiteres Engagement der Fraktion für ihre Interessen zusagen. Astrid Rabinowitsch, die Kreisvorsitzende aus Potsdam Mittelmark, und Claudia Sprengel, Wahlkreismitarbeiterin von Anke Domscheit-Berg und Kreisvorstandsmitglied in Brandenburg an der Havel, sagten ebenfalls ihre Unterstützung auf kommunaler Ebene zu -besonders zum Thema mangelnde Förderbereichsplätze, die Menschen auch bei schweren Behinderungen und intensiverem Betreuungsbedarf eine sinnvolle Beschäftigung und soziale Kontakte ermöglichen. Anke Domscheit-Berg ergänzt: „Eher bundespolitisch gelöst werden muss der absurde Umstand, dass in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen keine Teilzeitarbeit erlaubt ist, was ich als krasse Diskriminierung aufgrund von Behinderungen sehe.“

„Alle Regelungen müssten viel mehr am Bedarf und am Wohl der Menschen orientiert sein, denn gesellschaftliche Teilhabe sollte für jeden Menschen möglich sein“, erklärt sie weiter. „Ich habe viele neue Einblicke in die Situation von Menschen mit Behinderungen aus meinem Wahlkreis gewonnen und hoffe, dass sie weiter kämpfen für ihre Rechte. Wir werden auf jeden Fall an ihrer Seite dafür mitstreiten“.

Der Coworking-Space Coconat, Bild: Claudia Sprengel, CC BY-SA 4.0

Der Freitag begann mit dem Besuch des Coworking-Space „Coconat“ in Klein Glien, wo man Gemeinschaft und kreatives Arbeiten in der Natur möglich macht. Die vier Gründer*innen haben dafür ein altes Gutshaus samt Anwesen umgebaut und im Mai 2017 eröffnet. Viele ihrer Gäste kommen aus dem Ausland dorthin und haben zu internationaler Bekanntheit beigetragen. Der erste Artikel über Coconat erschien in der New York Times, Artikel in Le Monde (Frankreich) und andere folgten, inzwischen zog auch die deutsche Presse nach. Gründer Janosch Dietrich führte Anke Domscheit-Berg durch die Anlage: das Café, eine gemütliche Bibliothek mit offenem Kamin und alten Plüschmöbeln, diverse Seminar- oder Workshopräume, Gästezimmer – jedes ein Unikat mit selbst gebauten oder upgecycelten Möbeln im Haupthaus, dann durch den Hof, in dem gerade eine Dorfolympiade vorbereitet wurde und zum Schluss durch den weitläufigen Garten, mit Teich, Obstbäumen und jeder Menge Zelten.

Gäste bei Coconat suchen eine gute und offene Arbeitsumgebung in der Natur, mit Internet, auf Wunsch Vollpension und Übernachtungsmöglichkeit, wie Gründer*innen, Schriftsteller*innen oder Firmenteams. Mit den Gemeinden Wiesenburg und Bad Belzig hat sich Coconat auch erfolgreich um ein Smart City Projekt der Medienanstalt Berlin Brandenburg beworben, für das viele neue Initiativen rund um Mobilität und Gesundheit geplant sind. Bereits begonnen hat „Landwärts – Gründen im Grünen“. Digitalisierung spielt selbst im eigenen Permagarten eine Rolle, für den man demnächst einen Humusscanner entwickeln möchte. Auch eine Augmented-Reality-App für den naheliegenden Kunstwanderweg ist geplant, damit Wanderer auf dem Smartphone mehr Infos zu Kunstwerken erhalten. „Ich war begeistert von den vielen Ideen, der dahinter stehenden Motivation und Kreativität!“, resümiert die Bundestagsabgeordnete den Besuch.

Im Anschluss besuchte Anke Domscheit-Berg den Breitbandbeauftragten des Landkreises Potsdam Mittelmark, Karsten Gericke, der offen mit ihr über bürokratische Hürden und die Planung des Breitbandausbaus im Landkreis sprach. Bald wird es mit einem Förderantrag für den geplanten Ausbau in die letzte Runde gehen. „Ich freue mich darüber“, sagte die Angeordnete nach dem Termin, „denn dann können viele Haushalte und alle Bildungseinrichtungen im Landkreis endlich auch von einem schnellen Netz profitieren.“

Der letzte Termin führte Anke Domscheit-Berg am Abend nach Borkheide. Hier traf sie Mitglieder und Sympathisant*innen der Linken aus der Region, die ihr von den Problemen in ihren Orten erzählten und die Abgeordnete zu verschiedenen Themen befragten. So ging es um den Klimawandel, der auch regional die Waldbrandgefahr steigen lässt, über den Rechtsruck in der Gesellschaft bis hin zur Digitalisierung. „Ich rede immer gerne mit den Basisgruppen, da man dadurch am besten erfährt, was sie bewegt und wie die Bundespolitik außerhalb Berlins wahrgenommen wird“, so die Netzpolitische Sprecherin.
Mit vielen neuen Eindrücken und Aufträgen verabschiedete sich Anke Domscheit-Berg und machte sich mit dem RE7 auf den Heimweg.

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Anke Domscheit-Berg ist Unternehmerin, Publizistin, Aktivistin und seit September 2017 Bundestagsabgeordnete für Brandenburg. Sie engagiert sich für eine digitale Gesellschaft, Open Government und Geschlechtergerechtigkeit.

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